Medienmitteilung – Unsere Dörfer brauchen uns – mischen wir uns ein!

Jacqueline Badran im Gespräch am Vortragsabend der SP Sargans und Umgebung.
Wie unsere Dörfer morgen aussehen, entscheiden wir heute. Ob wir bezahlbar wohnen, im Zentrum einkaufen und uns auf einem Platz oder im Café begegnen können, hängt auch von der Gemeindeplanung ab. Die SP Sargans und Umgebung ruft deshalb alle Einwohner*innen auf: Reden wir mit und gestalten wir unsere Gemeinden gemeinsam!

Am Montag, 5. Oktober 2026, organisierte die SP Sargans und Umgebung einen Vortragsabend mit Jacqueline Badran zum Thema «Wie gestalten wir das Zentrum von Sargans?». Neben Mitgliedern und Sympathisant*innen nahm auch der Sarganser Gemeindepräsident Stefan Kohler teil, um über den Stand der Arbeiten am neuen Baureglement sowie über laufende Entwicklungsprojekte der Gemeinde zu informieren. Rege Diskussionen und ein konstruktiver Austausch prägten den Abend.

Teilnehmende verfolgen den Vortrag von Jacqueline Badran am 5. Oktober 2026.
Interessierte verfolgen den Vortrag und bringen ihre Erfahrungen in den Austausch ein. Foto: zur Verfügung gestellt; KI-gestützt bearbeitet.

Die Fragen, die dabei aufkamen, betreffen das ganze Sarganserland. Wo entstehen Wohnungen, die sich auch Familien und Menschen mit kleinen Einkommen leisten können? Wo findet das lokale Gewerbe Platz? Und wo können wir uns treffen, ohne jedes Mal etwas kaufen zu müssen?

Badran machte deutlich, wie eng Bodenbesitz und Gestaltungsmöglichkeiten zusammenhängen. Wer Grundstücke besitzt, hat grossen Einfluss darauf, was entsteht. Die Auswirkungen einer Überbauung spüren jedoch alle: Sie verändert das Ortsbild, den Verkehr und das Leben im Quartier. Deshalb ist Bauen für die SP Sargans und Umgebung immer auch eine öffentliche Angelegenheit.

Auch die Finanzierung geht uns alle an. Neue Überbauungen können zusätzliche Infrastruktur erfordern. Zwar tragen Grundeigentümer*innen bestimmte Erschliessungskosten mit. Doch auch die öffentliche Hand investiert in Verkehrswege, Schulen und öffentliche Räume. Diese Investitionen können private Grundstücke aufwerten. Wenn die Allgemeinheit zur Wertsteigerung beiträgt, soll sie auch davon profitieren.

Wird Land neu zu Bauland, erhebt der Kanton St.Gallen grundsätzlich eine Abgabe von 20 Prozent des dadurch entstehenden Bodenmehrwerts. Doch die Gemeinden haben weitere Möglichkeiten: Auch wenn Grundstücke durch Um- oder Aufzonungen anders genutzt oder dichter überbaut werden dürfen, können sie mit den Eigentümer*innen einen Anteil am entstehenden Planungsmehrwert vereinbaren – beispielsweise zur Finanzierung zusätzlicher öffentlicher Infrastruktur. Solche vertraglichen Vereinbarungen können auch über 20 Prozent hinausgehen. Dafür braucht es einen rechtskonformen Vertrag. Diesen Spielraum sollen Gemeinden konsequent nutzen.

Eine weitere zentrale Botschaft des Abends: Gemeinden sollen eine aktive Bodenpolitik betreiben. Wo es möglich und sinnvoll ist, sollen sie Grundstücke erwerben oder zurückkaufen und eigenen Boden behalten. Vergeben sie Land im Baurecht, ermöglichen sie das Bauen, bleiben aber Eigentümerinnen des Bodens. Dabei können sie vertraglich Ziele festlegen, etwa für langfristig bezahlbaren Wohnraum. So sichern sie Gestaltungsmöglichkeiten für kommende Generationen.

Entscheidend ist auch, wie verdichtet wird. Badran setzt auf das Aneinanderbauen als Alternative zu Hochhäusern. Zusammenhängende Häuserzeilen mit massvoller Höhe können dichte, lebendige Ortszentren schaffen. Wo es städtebaulich sinnvoll ist, sollen Gemeinden deshalb eine geschlossene Bauweise planerisch ermöglichen: Gebäude schliessen unmittelbar aneinander an, ohne seitliche Grenzabstände an den gemeinsamen Grundstücksgrenzen. Gewachsene Altstädte können dafür als Vorbild dienen – mit unterschiedlichen Nutzungen im Erdgeschoss, kurzen Wegen und Plätzen für Begegnungen.

Zonenplan, Baureglement und Sondernutzungspläne geben Gemeinden Möglichkeiten, diese Entwicklung zu steuern. Dabei muss die Lebensqualität im Mittelpunkt stehen: bezahlbarer Wohnraum, Platz für lokales Gewerbe, attraktive Grünräume und sichere Wege. Mehr Wohnungen allein ergeben noch kein lebendiges Zentrum.

Doch auch wir Einwohner*innen sind gefordert. Schaut euch die Pläne eurer Gemeinde an. Besucht Informationsveranstaltungen. Bringt bei Mitwirkungen eure Ideen ein und fragt nach: Wo entstehen Begegnungsorte? Wo gibt es Platz für Kinder und ältere Menschen? Was braucht unser Quartier?

Ihr kennt euren Ort aus dem Alltag. Ihr wisst, wo ein sicherer Weg fehlt, wo ein Treffpunkt gebraucht wird und was erhalten bleiben soll. Diese Erfahrungen gehören in die Planung – frühzeitig, solange Entscheidungen noch offen sind. Mitwirkung betrifft die ganze Bevölkerung, auch Menschen ohne Stimmrecht.

Lebendige Dorfzentren entstehen zudem durch die Menschen, die sie nutzen und mittragen. Das Café GEISS in Sargans, die Alte Metzg in Vilters-Wangs oder die Wochenmärkte zeigen, wie wichtig Orte für Begegnungen und Austausch sind. Geht vorbei, kommt miteinander ins Gespräch und unterstützt solche Initiativen. Vielleicht entsteht dabei schon die nächste Idee für eure Gemeinde.

Die SP Sargans und Umgebung lädt alle dazu ein – unabhängig von Parteizugehörigkeit, Alter oder Herkunft. Seid laut, wenn euch etwas fehlt. Fragt nach, macht Vorschläge und gewinnt andere dafür.

Wollen wir wirklich seelenlose, ausgestorbene Dorfzentren? Oder wollen wir unsere Dörfer so gestalten, dass wir gerne darin leben und einander begegnen? Dann mischen wir uns ein. Es sind unsere Gemeinden – und unsere Zukunft.

Autor: Serge Rosenthaler, Präsident SP Sargans und Umgebung

Titelfoto: Jacqueline Badran im Gespräch am Vortragsabend vom 5. Oktober 2026. Fotos: zur Verfügung gestellt; KI-gestützt bearbeitet.

Beitrag teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
Animation laden...Animation laden...Animation laden...

Newsfeed