1. Mai 2026: «Aufwachen» – Gegen Krieg und Krisen

Der Wecker klingelt.
Ich bin gestern eingeschlafen
mit Harry Potter auf Kassette –
Kennt ihr sie? Diese beruhigende Gewissheit
Zuletzt gewinnt das Gute – immer.

Und dann wach ich auf. Mit diesem mulmigen Gefühl. Nicht ganz meins. Zu schwer. Zu kalt.
Als hätte mir jemand
über Nacht eine andere Welt
untergeschoben.

Ein Albtraum?
Ich versuche ihn abzuschütteln.
Geh in die Küche.
Erst mal Kaffee.
Treibstoff des Kapitalismus (wie es eine Mitbewohnerin mal genannt hat)

Doch die Dose die ist leer. Ich öffne also den Vorratsschrank. Und bleibe hängen. An Konserven, Nudeln, Einmachgurken.
Alles wild gestapelt.
Und erwische mich bei der Frage:
Wie lange würde das reichen? Im Krisenfall. Ich halte inne. Seit wann
denk ich so? Seit wann fühlt sich Alltag an wie Vorbereitung?

Hat Lord Voldemort etwa schon gewonnen?

Ich setz mich an den Tisch.
Nehm die erste Zeitung
von diesem halben Meter Stapel
ungelesener Welt.

Katastrophen.
Krisen.
Krieg.

Ich komm nicht nach.
Ich komme nicht nach mit Lesen. Mit Einordnen.
Mit Fühlen.

Und das Handeln?
Bleibt irgendwo liegen
zwischen Seite drei und fünf.

Und mir wird klar:
Die Welt ist nicht mehr die von gestern.
Und hätten wir vor fünf Jahren auf heute geblickt, wir hätten gesagt. Unrealistisch.

Heute lesen wir:
Freitag.
Krieg.

In Gaza.
In der Ukraine.
Eskalation im Iran.

Und dann noch die leisen Kriege:
Sudan.
Jemen.
Kongo.
Syrien.
Myanmar.

Orte,
an denen Menschen sterben,
während ich gemütlich
den Frühstückskaffee trinke.

Was ist hier eigentlich los?

Kriege fallen nicht vom Himmel.
Sie sind gemacht.
Von Interessen.
Von Macht.
Von einem System, das Profit über die Menschen stellt.

Und während die Welt brennt,
verschiebt sich etwas.
Ganz leise.
Ganz heimlich.
Nach rechts.

Grenzzäune werden höher.
Herzen werden härter.
Worte werden kälter.

Solidarität wird ersetzt
durch Misstrauen.
Durch Angst.
Durch „Wir gegen sie“.
Aufgewacht in der «Kammer des Schreckens».

Hier sind Gefühl Schwäche.
Führung braucht Härte.
Gewalt ist die Lösung.

Aber wir sagen: Nein.
Wir sind nicht eure Statist:innen
in euren geopolitischen Drehbüchern.

Wir sind Menschen.
Mit Gefühlen.
Mit Hoffnung.
Mit Verbundenheit.

Und genau deshalb:
Wollen wir Frieden
Nicht irgendwann
Sondern jetzt
Und überall.

Wir wollen ein lebenswertes Leben, nicht nur für uns
auch für unsere Kinder. Für alle.
Von Gaza bis Kiew
Von Khartum bis Teheran
Von Aleppo bis Donezk

Wir wollen nicht aufwachen
in einer Welt,
die wir nicht mehr kennen.
Wir wollen eine Welt,
in der wir uns erkennen.
Denn Angst
ist kein Programm.
Fatalismus
keine Lösung.

Denn das hier ist kein Fantasy Roman.

Und kein Zauberstab wird es richten.

Also müssen wir es tun.
Gemeinsam.

Und genau deshalb:
leben wir die Solidarität.

Wir stellen uns gegen Krieg.
Gegen Hass.
Gegen Egoismus.

Im Alltag.
Im Kleinen.
Immer wieder.

Denn Veränderung passiert nicht irgendwann.
Sie passiert,
wenn wir sie machen.

Wir wollen eine Welt
Die nicht zerfällt
Sondern zusammenhält

Autorin: Anna-Lena Eggli

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