Medienmitteilung – Sargans wächst – die Qualität muss mitwachsen

Die Revision der Sarganser Ortsplanung wird derzeit mit dem Vorwurf einer «unnötigen Überregulierung» kritisiert. Dabei gerät etwas Entscheidendes aus dem Blick: Ein Baureglement soll nicht einfach möglichst wenige Regeln enthalten. Es ist eines der zentralen Instrumente einer Gemeinde, um zu steuern, wie sie sich räumlich entwickelt und welche Qualität dabei entsteht.

Sargans ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Noch 2023 hielt die Gemeinde fest, dass die Bevölkerung in den vorausgegangenen Jahren jährlich um rund 1,5 Prozent zugenommen hatte. Auch über zehn Jahre betrachtet zeigt die kantonale Statistik ein deutliches Wachstum; 2025 zählte Sargans 6’669 ständige Einwohnerinnen und Einwohner.

Wachstum ist nicht grundsätzlich schlecht. Aber mehr Wohnungen und mehr Gebäude ergeben noch nicht automatisch eine bessere Gemeinde. Wachstum stellt auch Fragen nach Aufenthaltsqualität, Freiräumen, Verkehr, Ortsbild, Begegnungsorten, Bevölkerungsstruktur (Altersverteilung, Haushaltsgrössen, soziale und sprachliche Durchmischung), Schulraumplanung, Steuersubstrat (Einkommen und Vermögen natürlicher Personen sowie Gewinne und Kapital der Unternehmen) und einem funktionierenden Zentrum.

Genau diese Fragen beschäftigen Sargans schon länger. Die Gemeinde nennt in ihrer Ortsplanung ausdrücklich die Aufwertung öffentlicher Plätze, bessere Grünflächen, Grünverbindungen von den Quartieren ins Zentrum sowie die Neugestaltung von Strassen und Strassenräumen als Ziele. Bei Neubauprojekten soll zudem auf eine hohe ortsbauliche Qualität geachtet werden. Bereits zuvor waren Zentrumsaufwertungen an der Bahnhofstrasse und im Bereich Schwefelbadplatz–Jordan–Castelsplatz ein Thema.

Dafür braucht eine Gemeinde Instrumente. Das kantonale Planungs- und Baugesetz weist diese Aufgabe ausdrücklich den Gemeinden zu: Sie legen mit Zonenplan und Baureglement Nutzungsart und Nutzungsintensität fest und erlassen die entsprechenden Bauvorschriften. Das Gesetz ermöglicht zudem Sondernutzungspläne ausdrücklich zur «Entwicklung von Orts- und Quartierzentren». Für Kern- und Schutzzonen sowie weitere konkret bezeichnete Gebiete erlaubt es Vorgaben, damit sich Bauten so in ihre Umgebung einordnen, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht.

Auch die übergeordnete Raumplanung verlangt heute nicht einfach möglichst viel Bautätigkeit. Der Kanton fordert eine qualitativ hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen. Sargans und Mels bilden dabei gemeinsam einen kantonalen Entwicklungsraum beziehungsweise ein Kleinzentrum. Gerade an solchen gut erschlossenen Standorten soll verdichtet werden – aber mit entsprechender städtebaulicher Qualität.

Natürlich kann und soll über einzelne Bestimmungen des neuen Baureglements diskutiert werden. Sind Vorgaben verhältnismässig? Sind sie verständlich? Lassen sie genügend Spielraum? Das sind berechtigte Fragen.

Aus unserer Sicht greift es jedoch zu kurz, notwendige planerische Vorgaben pauschal als «Überregulierung» abzutun. Wer die Entwicklung einer Gemeinde gestalten will, muss auch festlegen können, was wo und in welcher Qualität entstehen soll. Ohne solche Regeln entsteht am Ende vor allem das einzelne Bauprojekt – und nicht eine gemeinsame Vorstellung davon, wie sich Sargans entwickeln soll.

Nach unserer Einschätzung hat sich Sargans in den vergangenen 40 Jahren vor allem quantitativ, jedoch zu wenig qualitativ entwickelt. Die Folgen dieser Entwicklung sind heute sichtbar – beispielsweise in Form von Blechcontainern im Tiefriet oder Wohnüberbauungen, die eher an Wohnsilos als an eine qualitätsvolle Siedlungsentwicklung erinnern.

Hinzu kommt: Der Gemeinderat hat die Bevölkerung früh in den Prozess einbezogen. Bereits vor der ersten formellen Mitwirkung fanden vier Quartiergespräche statt. Nach der kantonalen Vorprüfung wurde nochmals Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben. Die Kritik vom 25. August erfolgte, während dieses Verfahren noch lief.

Nicht ausser Acht gelassen werden darf auch der hohe finanzielle Aufwand, der mit dem Raumplanungsprozess verbunden ist. Dieser Kostenfaktor kommt in der aktuellen Diskussion aus unserer Sicht zu kurz.

Eine Ortsplanung muss unterschiedliche private Interessen berücksichtigen. Ihre Aufgabe ist aber ebenso, das öffentliche Interesse und die langfristige Entwicklung der ganzen Gemeinde im Blick zu behalten.

Sargans soll sich weiterentwickeln können. Entscheidend ist nicht nur, wie viel gebaut wird – sondern was dabei für Sargans entsteht.

SP Sargans und Umgebung / GLP Sarganserland

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